Lehrstuhl Andrea Back

Coworking aus Unternehmenssicht – Serendipity-Biotop oder Fluchtort?

Die Studie „Coworking aus Unternehmenssicht“ setzt sich mit Nutzenszenarien von Coworking aus der Sicht etablierter Firmen auseinander, die über eigene Büroräumlichkeiten verfügen und sich für Coworking als alternatives Arbeitsszenario in Ergänzung zu den bestehenden interessieren. Das Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St.Gallen konnte ein viermonatiges Pilotprojekt begleiten, in welchem Swisscom und Microsoft Mitarbeiter gemeinsam mit Coworking experimentierten. Die Studie liefert Hintergrundinformationen zum Phänomen Coworking und fasst die wichtigsten Erkenntnisse basierend auf den Interviews mit den Pilotteilnehmern zusammen. Darüber hinaus zeigt sie Handlungsempfehlungen auf, wie Unternehmen den grösstmöglichen Nutzen aus diesem für sie neuartigen Arbeitsszenario erzielen können.​

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Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Zur vollständigen Medienmitteilung zur Studie (PDF)

Coworking ist für etablierte Firmen aus drei Perspektiven interessant:

  1. Coworking als alternatives Arbeitsszenario: in Ergänzung zu bestehenden Arbeitsorten wie dem Corporate Office, Home Office und Arbeiten von unterwegs.
  2. Ersatz für das Corporate Office: Firmen mieten sich in Coworking Spaces ein und verzichten ganz oder teilweise (z.B. in einer bestimmten Region) auf eigene Büroräumlichkeiten.
  3. Coworking als Teil des eigenen Angebots: Unternehmen bieten selbst Coworking-Möglichkeiten für Externe an und öffnen ihre Büros bzw. schaffen neue Angebote ausserhalb der eigenen Räume.

Die Studie fokussierte primär auf das erste Szenario und ging der Frage nach, wie Coworking Spaces in Ergänzung zu bestehenden Raumangeboten genutzt werden sollen. Als wichtigste Nutzenversprechen kristallisierten sich die vier folgenden Themenfelder heraus:

  • Vernetzung und Innovationsfähigkeit: Im Zusammenhang mit Coworking fällt immer wieder der Begriff «assisted serendipity», der für «geförderte zufällige Entdeckungen» steht und daher aus Sicht des betrieblichen Innovationsmanagements von grossem Interesse ist. Die Vernetzung von Unternehmen mit Coworking Communities ist nicht nur hinsichtlich der Innovationsfähigkeit von Belang, sondern auch was die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur betrifft.
  • Boundary Management: Coworking ist besonders interessant für Mitarbeitende, die gerne flexibel arbeiten möchten, aber das Bedürfnis haben, Arbeit und Privatleben voneinander zu trennen. Diesen sogenannten «Separierern» bietet Coworking die Möglichkeit, zeitliche und räumliche Arbeitsflexibilität auszuüben, ohne dass dies automatisch zu einer Vermischung von Arbeits- und Privatleben führt.
  • Flexibilität und Effizienz: Coworking bietet neue Möglichkeiten für die Optimierung der Raumnutzung. So ist beispielsweise denkbar, dass das Corporate Office nur auf die durchschnittliche Belegung ausgerichtet ist und in Spitzenzeiten oder für die Abwicklung von Spezialprojekten auf Coworking Spaces ausgewichen wird, wo nur die tatsächlich genutzte Fläche respektive Zeit in Rechnung gestellt wird. Eine weitere interessante Nutzung von Coworking Spaces ist, sie als Provisorien, etwa während des Um- oder Ausbaus des Corporate Office, heranzuziehen. Nicht zuletzt sei neben der beliebigen Skalierbarkeit auch auf den Aspekt hingewiesen, dass es sich bei Coworking Spaces um neutrale Räume handelt, die frei sind von Hierarchie und Firmenpolitik. Dies ermöglicht eine Zusammenarbeit in ganz anderer Atmosphäre, als dies innerhalb der Firmengrenzen möglich wäre.
  • Signalwirkung und Kulturwandel: Firmen, die ihren Mitarbeitenden Coworking ermöglichen, senden damit auch starke Signale aus, dass die Arbeits- und Führungskultur im Umbruch sind. Wurde das Arbeiten ausserhalb des Corporate Office bis vor kurzem noch von vielen Unternehmen lediglich toleriert, setzt die Option des Coworking ein klares Zeichen Richtung Output-Orientierung – dies im Gegensatz zu einer präsenzorientierten Führungskultur. Dieses Signal wirkt sich unabhängig von der tatsächlichen Nutzung dieses Arbeitsszenarios sowohl auf aktuelle als auch potentielle Mitarbeitende aus. Es ist deshalb auch aus einer Employer Branding Perspektive von Bedeutung